Der Zeitraum kurz nach einer Entbindung ist für alle eine Herausforderung. Die frisch gebackene Mama muss sich mit Hormonchaos und Erschöpfung der neu gewonnenen Verantwortung stellen und dafür sorgen, dass dieses kleine Lebewesen überlebt und sich optimalerweise auch geliebt und geborgen fühlt. Das Neu-Geborene ist per se ohne dich als Mama nicht Überlebensfähig und muss sich überhaupt erstmal in dieser neuen Welt orientieren und zurechtfinden. Für den Vater wird der neue Lebensabschnitt häufig erst bei der Geburt so richtig real – Männer haben ja keine neun Monate Vorlaufzeit, in der sie das Baby spüren und bereits eine innige Verbindung aufbauen können, das heißt für viele kommt der Moment wirklich erst, wenn das Kleine dann auf der Welt ist. Übrigens anscheinend auch ein Grund, warum die Säuglinge in den ersten Lebensmonaten oft eher dem Papa ähneln. Das soll es ihnen leichter machen, eine Verbindung zu ihren Kindern herzustellen.
Freunde und Verwandte sind besorgt und überschütten einen mit (gut gemeinten und liebevollen) Nachrichten auf Whatsapp. ÄrztInnen und Hebammen wollen Nachuntersuchungen anstellen. Das frisch gebackene kleine Menschlein wird auf alle möglichen schlimmen Krankheiten getestet. Und zu allem Überfluss will die Schwiegermama SOFORT ihr Enkelkind im Arm halten (und das am liebsten 3 Stunden nach der Geburt am Krankenhausbett).
Kurz gesagt: das ganze Umfeld ist in heller Aufregung.
Deshalb erfordert dieser neue Lebensabschnitt vielleicht etwas Guidance, die ich dir gerne mit diesem Artikel geben möchte. SO: let`s dive in.

Was passiert da eigentlich so kurz nach der Geburt?
Sofort nach der Geburt ist dein Körper in einer Übergangs-Zone: Hormonelle, muskuläre und anatomische Änderungen kehren nicht schlagartig wieder aufs Anfangsniveau zurück – sie werden langsam rückgebildet. Deine Beckenbodenmuskulatur war während Schwangerschaft und Geburt belastet, deine Bauchwand (insbesondere die tiefen Schichten) wurde gedehnt, die intraabdominelle Drucksteuerung verändert, und das gesamte Becken- und Wirbelsäulen-System hat eine Menge geleistet.
Der postpartale Zeitraum ist definiert als die Phase nach dem Abgang der Plazenta bis zur Rückkehr vieler Organsysteme in den „nicht schwangeren“ Zustand. Das kann laut Studien 6 Monate und länger dauern.11
Eine Ultraschall-Studie zur Gebärmutter- Rückbildung zeigte außerdem: Bei unkomplizierter vaginaler Geburt war die Gebärmutter noch an Tag 60 nach Geburt größer bzw. anders geformt als zuvor. Der Bauch KANN also gar nicht sofort wieder super flach sein (auch wenn diese eine Mommy – Influencerin das behauptet). Es braucht Zeit, und die darfst du dir mit ruhigem Gewissen geben!2
Dein Körper arbeitet im Hintergrund auf Hochtouren – hormonell, mechanisch, muskulär. Auch wenn es dir vielleicht manchmal alles viel zu langsam geht und du dich fragst, wann sich dein System wieder „normal“ anfühlt – du darfst dir Raum geben für diese Re-Adaptation und dir und deinem Körper Respekt zollen für dieses Wunder, das du da geleistet hast.
Typische Beschwerden und Herausforderungen im Wochenbett
Auch, wenn es hoffentlich wunderschön ist, endlich dieses kleine Wesen, das 9 Monate in deinem Bauch herangewachsen ist, kennen zu lernen: Nicht alles läuft so wie wir es uns wünschen und die ersten Tage und Wochen nach der Geburt sind ganz schön herausfordernd. Hier sind die häufigsten Beschwerden, mit denen Mütter sich herumschlagen müssen:
- Beckenboden-Dysfunktionen: Ein Jahr nach vaginaler Entbindung berichten ca. 30% aller Frauen über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Unter Frauen mit Sphinkter-Geburtsverletzungen sind es sogar rund 60%.
Bei über 80 % der Frauen werden im Wochenbett 6 bis 8 Wochen postpartal außerdem Anzeichen von Muskelfunktionsstörungen im Beckenboden gefunden. Also sowas wie verringerte Kraft, fehlende Kontrolle über Harn- (und evtl. auch Stuhlverlust), erhöhte Ermüdung etc.3 - Harninkontinenz, Prolaps-Risiko: Harninkontinenz nach einer vaginalen Geburt betrifft 1/3 aller Frauen! Und hierbei ist die erste Geburt mit dem höchsten Risiko verbunden. Dieses Risiko erhöht sich, Studien zufolge, mit zunehmender Geburtenrate nicht weiter. Besonders betroffen sind Frauen, die bereits gegen Ende der Schwangerschaft inkontinent waren. Interessant ist auch, dass ich in der Praxis sehr oft Frauen habe, bei denen sich die Inkontinenz-Symptome postpartum zuerst einmal reduziert haben, später jedoch wieder aufzuflammen schienen.
Dieses Phänomen bestätigt auch die Wissenschaft. So sinkt die Zahl der Betroffenen in den ersten 6 Wochen zuerst, während sie dann nach 3 Monaten wieder deutlich ansteigt und ihren Höhepunkt nach ungefähr einem Jahr erreicht.
Das Risiko, einen Organprolaps zu entwickeln (sprich: wenn sich die Gebärmutter, Blase oder Rectum nach unten senkt), liegt zwischen 20 und 60%. Meta-Analysen zeigen, dass gezieltes Beckenboden-Training im ersten Jahr nach der Geburt die Wahrscheinlichkeit einer Harninkontinenz um rund 37 % senkt! Die Gefahr eines Beckenorganvorfalls reduziert sich um ganze 56 %. Es lohnt sich also, früh mit dem Training anzufangen, Ladies!4 - Bauchwand & Rectusdiastase: Die Rückbildung der geraden Bauchmuskeln und der sogenannten Linea alba (Bindegewebslinie in der Mitte des Bauches zwischen den beiden Rectusanteilen) ist für viele ein Thema. In der Praxis betrifft das 6 Monate postpartal in etwa 45% der Frauen (wobei die Zahlen hier stark variieren). Dass die Bauchmuskulatur im 3. Trimester auseinander weicht und Platz für dein Baby macht, ist absolut wichtig und normal. Je nachdem, wie stark deine Muskulatur und dein Bindegewebe im Allgemeinen ist, weicht die Bauchdecke mehr oder weniger auseinander. Zu mir kommen Frauen immer wieder mit der Angst, eine Diastase entwickelt zu haben. Die meisten kann ich mit einer gezielten Untersuchung schnell beruhigen: Als pathologisch bezeichnet man hier nämlich erst ein Auseinanderweichen von 2 – 2,5 cm (also ungefähr 2 Querfinger). Und nicht mal dann muss das bedeuten, dass du deswegen eine Funktionseinschränkung hast.
Wichtig ist bei der Beurteilung der Bauchdecke, sich die Stabilität des Gewebes nicht nur im Liegen mit angehobenem Kopf anzusehen, sondern genauso unter Belastung. In Studien hat sich gezeigt, dass präventives, angepasstes Bauchmuskeltraining in der Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit einer Rectusdiastase um bis zu 35% verringern kann. 5 - Alltagsbelastung, Haltung, Schlafmangel, Hormone: Nicht nur Muskeln und Organe – auch dein Nervensystem, dein Schlaf, dein Hormonhaushalt (u. a. Prolaktin, Östrogen, Relaxin) sind im Umbruch. Das macht dich durchaus empfindlicher für Rückenschmerzen, Becken-/Hüftbeschwerden, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen. Frühe Bewegungs-und Übungsprogramme mit low impact Belastungen können hier Schmerzen im Beckenbereich reduzieren. 6
- postpartale Depression: Der sogenannte Baby Blues betrifft rund 14% aller gebärenden Frauen in den ersten Tagen nach der Geburt. Er tritt meist zwischen Tag 3 und 10 postpartum auf und zeigt sich durch Stimmungsschwankungen, Weinerlichkeit, Reizbarkeit und Schlafstörungen – ausgelöst durch massive hormonelle Veränderungen, Schlafmangel und die emotionale Umstellung nach der Geburt.7
Diese Zahlen sollen dir bitte auf keinen Fall Angst machen! Ich möchte dir hier lediglich einen Eindruck geben, wie herausfordern diese Zeit sein kann und dir sogar im Gegenteil, eher das Gefühl geben, du bist damit nicht alleine.
Lass uns also festhalten: Diese erste Rückbildungsphase sollte in erster Linie eine Zeit der Eingewöhnung und Erholung sein. Gleichzeitig darf sie jedoch bereits ein kleines Rehabilitations-Fenster für dich darstellen, in dem du dich langsam wieder mit deinem Körper verbindest und Vertrauen aufbaust.
Warum haben manche Frauen Probleme und andere nicht?
Um diese Frage zu beantworten, muss man sich nicht nur den Zeitraum rund um Schwangerschaft und Geburt anschauen. Denn die Weichen für eine gute Genesung und Resilienz deines Beckenbodens werden bereits früher gestellt. Und zwar in Phase I des Beckenboden-Lebenszyklus: Die prädisponierenden Faktoren. Was so viel heißt wie: alles, was deinen Beckenboden in der Jugend bereits schwächen könnte. Hierunter fallen Dinge wie genetische Veranlagung (Das Kartendeck ist leider nicht immer fair verteilt), deine Ernährungsweise, wie körperlich aktiv du bist oder ob du übergewichtig oder chronisch krank bist.
In Phase II folgen erste Stressphasen für deinen Beckenboden, wie zum Beispiel eine Schwangerschaft und Geburt. Je nachdem, wie die Geburt verläuft, kann sich dein Beckenboden schnell und gut erholen oder eben etwas langsamer mit eventuell bleibenden Schäden. Hier spielen leider auch kleinere, „unsichtbare“ Mikrotraumen eine Rolle, die selbst deine Ärzt*innen nicht detektieren können.
Ob du dann tatsächlich Beschwerden in dem Bereich entwickelst oder wann diese auftreten, hängt maßgeblich mit Phase III zusammen.
Das bezieht sich auf die Zeit nach der Geburt und die darauffolgenden Jahrzehnte. Hier beginnt der natürliche Alterungsprozess, der den Beckenboden auf natürliche Weise schwächer und instabiler werden lässt. Davor ist leider keine von uns gefeit.
All diese Faktoren spielen zusammen und bestimmen, wie gut sich dein Beckenboden erholt und wann Symptome auftreten.

Wann sollte man mit der Rückbildung starten?
Hier kommt dein goldener Moment zur Orientierung:
Die Antwort ist vielen vielleicht bereits klar: Sehr früh.
Theoretisch kannst du direkt im Wochenbett (z. B. 24 bis 48 Stunden nach vaginaler Geburt) bereits mit sehr sanften Aktivierungsübungen für den Beckenboden beginnen – vorausgesetzt: keine Komplikationen wie schwere Verletzungen, unkontrollierte Blutungen, etc.
Viele Kliniken geben hier bereits erste Hinweise. Schon während du dein Baby im Arm wiegst, darf dein Beckenboden seine ersten, zaghaften Schritte machen ☺️. Keine Crunches oder stundelange Spaziergänge. Eher: Atmen, wahrnehmen, sanft aktivieren.
So kannst du beispielsweise leichte „Kegel“-Kontraktionen im Liegen machen, sobald das mit dem Wasserlassen normal funktioniert. Mehr dazu im nächsten Punkt.
Der „richtige“ Rückbildungsstart – das heißt ein strukturierter Behandlungs- bzw. Übungsplan mit Assessment und Befundung des Beckenbereichs – wird häufig ab 6 Wochen nach Geburt empfohlen. Also nach der klassischen Gyn-Kontrolle. Viele physiotherapeutische Protokolle sind so aufgebaut. In der Praxis empfehle ich, zumindest das Versiegen des Wochenflusses abzuwarten, um sich ein genaueres Bild vom Beckenboden zu machen und die Belastung ggfls. langsam zu steigern.
Wichtig ist: Wenn Geburtskomplikationen (z. B. ein Dammriss 3. oder 4. Grades, größere Levator Ani-Verletzungen, ein sehr hoher BMI oder eine Frühgeburt) vorliegen, sollte definitiv eine sofortige fachliche Begleitung (Physio/Osteopathie + Uro-Gyn) erfolgen, um größere Komplikationen zu vermeiden.
Aus Sicht der Wissenschaft sind frühzeitige, gezielte Interventionen (z. B. PFMT = Pelvic Floor Muscle Training) effektiv und häufig bereits sinnvoll.8
Und was mach ich da jetzt genau?
Hier gibt es leider nicht DIE EINE, richtige Antwort ☺️. Das hängt zuallererst Mal stark davon ab, wie herausfordernd und anstrengend die Geburt war und wie es dir grundsätzlich geht; ob Geburtsverletzungen eine Rolle spielen, du Unterstützung hast und wie dein hormonelles System die Veränderung derzeit annimmt.
Rückbildung heißt: gezieltes Funktionstraining für deinen Körper nach der Geburt. Und das passiert auf mehreren Ebenen:
- Beckenbodentraining: Generell gesprochen gilt, wie oben bereits erwähnt, du kannst theoretisch gleich im Wochenbett mit ersten, sanften Übungen loslegen. Das könnte beispielsweise so aussehen, dass du dir vorstellst, dein Beckenboden darf wie eine Qualle im Meer hoch und runter schweben. Im Klartext: du versuchst den Beckenboden mit der Einatmung leicht sinken zu lassen (als könntest du hinein atmen) und mit jeder Ausatmung versuchst du, ihn sanft zu aktivieren (also deine Schließmuskeln nach innen und oben zu ziehen). Hier ist es von Vorteil, wenn du in der Schwangerschaft bereits Beckenbodenübungen gemacht hast, weil du dann nicht alles komplett neu – und unter erschwerten Bedingungen lernen musst, sondern dich viel eher erinnern darfst. Sollte da noch gar nichts gehen, starte einfach mit einer schönen, tiefen Bauchatmung: Bei der Einatmung hebt sich die Bauchdecke, der Beckenboden sinkt sanft nach unten, bei der Ausatmung zieht der Bauchnabel leicht zur Wirbelsäule und der Beckenboden steigt wieder.
Sollte sich das gut anfühlen, kannst du die Anspannung Tag für Tag etwas steigern…
So startest du beispielsweise bei 10% (der möglichen Kraft) und gehst langsam mit der Intensität rauf.
Lass dich jedoch bitte nicht verunsichern, wenn sich am Anfang jede Beckenbodenanspannung so anfühlt, als müsstest du den Mount Everest erklimmen. Es kann durchaus sein, dass sich die Qualle zu Beginn nur sehr widerwillig und nur unter enormer Kraft- und Konzentrationsanstrengung hoch und runter bewegen will. Auch das ist vollkommen OKAY! Jeder Körper reagiert anders. Sei geduldig und liebevoll zu dir — genau wie du es mit deiner kleinen Maus bist ☺️.

- Tiefe Rumpfmuskulatur & Bauchwand: Warum das wichtig ist, haben wir oben bereits angesprochen. Ein sanftes und kontrolliertes Aktivieren der tiefen Rumpfmuskulatur geht Hand in Hand mit deiner Beckenbodenrehabilitation. Du kannst hierfür für den Anfang in verschiedenen Positionen (Liegen, Sitzen, Stehen) versuchen, deine Bauchmuskulatur mit der Ausatmung sanft Richtung Bauchnabel zu ziehen und dir dabei vorzustellen, von den Flanken her schließt sich eine Schiebetüre zur Mitte hin und lässt deinen Bauch ganz fest werden. Einen Atemzug halten, dann mit der Einatmung wieder lösen.
Bitte nicht nach außen pressen und auch nicht die Luft anhalten.
Wenn das gut funktioniert, probiere die Spannung über 2-3 Atemzüge zu halten und währenddessen eher in Richtung Brustkorb zu atmen, damit der Bauch fest bleibt.
Add on für meine Sectio-Mädels: Narbenbehandlung! Lass dich vom Profi einschulen oder frag am besten gleich im Krankenhaus nach. - funktionelle Integration (Haltung, Bewegung, Heben etc.): Aufstehen, Bücken, Baby hochheben, Treppensteigen, Stillen, kaum Schlafen — mal ehrlich: kein Wunder, dass man dabei Nacken- oder Rückenschmerzen bekommt! Dein Körper befindet sich nämlich funktionell gesprochen noch im Schwangerschaftsmodus; das heißt: mehr im Hohlkreuz, mehr nach vorne orientiert. Sowohl Wirbelsäule, als auch Becken, durchlaufen während der Schwangerschaft einige Veränderungen, die sich nun erst Stück für Stück wieder zurückbilden. Dein Zwerchfell befindet sich häufig noch im Hochstand (was in der Schwangerschaft Sinn macht, da ja die Gebärmutter und dein Baby unten Platz gebraucht haben) und überhaupt ist dein ganzes Gewebe weich. Muskeln? Fehlanzeige!
Für dich bedeutet das JETZT konkret: langsame Re-Integration. - Atmung & Nervensystem: und zu guter Letzt das wahrscheinlich wichtigste und gleichzeitig schwierigste, wenn man ein kleines Baby zuhause hat: Stressreduktion.
Und wenn das am Anfang 10 tiefe Atemzüge am Abend vor dem Einschlafen sind → super! Sobald ein bisschen Routine eingekehrt ist, kannst du dir vielleicht 5 oder 10 Minuten erkämpfen, in denen du dich aktiv entspannst. Die Atmung hast du wahrscheinlich schon in der Geburtsvorbereitung als sehr nützliches Tool kennen gelernt…Nutze sie auch jetzt bewusst, um dein System zu unterstützen! Tiefe Bauchatmung, in den Beckenboden reinatmen (ja, das hört sich komisch an), 4 – 7- 8 – Atmung, all das kann helfen, deinen Körper langsam zurück zur (neuen) Normalität zu begleiten.
Wie du konkret in den nächsten Wochen weiter machen kannst, erfährst du hier (Checkliste Rückbildung).
Wie lange dauert die Rückbildung?
Wenn du gehofft hast, dass das Ganze in zwei Wochen erledigt ist, muss ich dich leider enttäuschen. Rückbildung ist kein Sprint, sondern ein langsamer Prozess.
Stell sie dir vielleicht vor, wie einen Sanierungs-Umbau: Die Grobarbeiten (Wochenbett) dauern in etwa 6–8 Wochen. Danach hat die Gebärmutter wieder ihre ursprüngliche Größe erreicht. Anschließend kommen die feineren Arbeiten & der Stabilitätsaufbau (6 bis 12 Monate) – und oft braucht unser Körper auch darüber hinaus noch Unterstützung. 9
Jede Frau und jeder Körper ist anders. Wie schnell du dich erholst, hängt stark davon ab, wie fit du vorher warst, wie belastend sich dein Alltag gestaltet (z.B. ob du schon andere Kinder hast, die du versorgen musst, einen Partner etc.), wie traumatisch die Geburt war und wie deine Gewebebeschaffenheit insgesamt ist. Manche Frauen bei mir in der Praxis brauchen 2 Jahre, um ihrem Körper wieder zu vertrauen, andere wollen nach 6 Wochen wieder Skifahren gehen. Auch die Kraft des Beckenbodens ist bei den Eingangsuntersuchungen vollkommen unterschiedlich. Bei einigen passiert da unten noch gar nichts, bei anderen ist es als wäre nie etwas gewesen…
Studien zeigen, dass die Beckenbodenmuskulatur bis zu einem Jahr nach der Geburt noch messbare Defizite aufweisen kann, insbesondere nach vaginaler Geburt.10
Und auch die Linea alba (bei Rektusdiastase) benötigt im Schnitt 6–9 Monate, bis sie sich stabilisiert – vorausgesetzt, du trainierst regelmäßig und korrekt. 11
Mein Tipp: Gib deinem Körper mindestens 9 Monate – genau so lange, wie er gebraucht hat, um ein Baby wachsen zu lassen. Alles andere wäre einfach… unlogisch.
Woher weiß ich, dass sie abgeschlossen ist?
Ganz einfach: Wenn du dich stabil, belastbar und im Alltag kraftvoll fühlst – und dabei keine typischen Beschwerden mehr auftreten.
Also sozusagen: Wenn du eine Kniebeuge machen kannst, dein Baby sicher hebst, lachend husten kannst – und dein Körper nicht sofort schreit: ‚Hilfe, ich sacke ab!‘ – dann ist der Rückbildungs-Safeguard ziemlich gut eingerichtet.
Ein paar objektive Marker helfen dir dabei, das einzuordnen:
- Beckenboden: Du kannst beim Husten oder Springen den Urin halten, ohne Druckgefühl nach unten.
- Rumpfstabilität: Kein „Bauchzelt“ oder Auseinanderweichen der Bauchmuskeln bei Belastung.
- Atmung: Dein Atem fließt frei – kein „Halten“ oder Pressen bei Anstrengung.
- Alltag: Tragen, Heben, Treppensteigen? Kein Problem, keine Schmerzen.
Studien zeigen: Frauen, die nach der Geburt gezielt den Core (Transversus abdominis und Beckenboden) trainieren, erreichen signifikant bessere funktionelle Stabilität und Lebensqualität als jene, die es nicht tun.12
Wenn du unsicher bist, kann eine physiotherapeutische oder osteopathische Funktionsuntersuchung sinnvoll sein – besonders bei Beschwerden wie Druckgefühl, Inkontinenz oder Schmerzen im Becken. Was genau wir da machen, beschreib ich euch mal in einem anderen Blogbeitrag.
Wo kann ich mir Unterstützung holen?
Zum Glück bist du nicht allein!
Diese Profis können dich sicher begleiten:
- Hebamme: Begleitet dich im Wochenbett, checkt den Heilungsprozess und gibt erste sanfte Übungen.
- Rückbildungskurse (online oder in Persona): ist natürlich nicht ganz auf dich zugeschnitten, aber auf jeden Fall ein guter erster Schritt. Und by the way: auch oft einfach eine gute Möglichkeit, sich mit Leidensgenossinnen auszutauschen.
- Physiotherapeutin (mit Schwerpunkt Gynäkologie oder Beckenboden): Erarbeitet ein auf dich abgestimmtes Programm mit Fokus auf Stabilität, Atmung und Belastungsaufbau.
- Osteopathin: Unterstützt dich, wenn z. B. Narben, Faszienspannungen oder Blockaden den Heilungsprozess behindern. Studien zeigen, dass osteopathische Behandlungen postpartal die Mobilität verbessern und Schmerzen reduzieren können.13
- Ärztin/Gynäkologin: Für medizinische Abklärung bei auffälligen Symptomen (z. B. starke Schmerzen, Inkontinenz, Prolapszeichen).
Und manchmal hilft es, sich einfach mit anderen Müttern auszutauschen – echte Gespräche sind oft genauso heilsam wie gute Übungen.
Fazit
Liebe Mama!
Die Rückbildung nach der Geburt ist kein Wettlauf gegen die Zeit. Es ist eher eine sorgfältige, ganzheitliche Phase von Wiederaufbau und Wiederverbindung mit deinem Körper. Dein Beckenboden, deine tiefen Muskeln, dein Nervensystem, dein Geständnis an dich selbst: „Ich darf heilen, ich darf wachsen, ich darf wieder stark werden“ – all das zählt. Gute Unterstützung (Physio, Osteopathie, Training) ist evidenzbasiert sinnvoll und kann dich auch in deinem Selbstvertrauen unterstützen. Einfach dadurch, dass da jemand ist, der sagt: „Hey, das passt so. Du machst das super!“ Denn letzten Endes ist die wahre Challenge, deinem Körper und deinem Bauchgefühl (wieder) zu vertrauen und für dich liebevoll zu entscheiden, wann und was das richtige für dich ist?.
Es geht nicht darum „wieder so auszusehen wie vorher“, sondern darum, dich innerlich stabil und verbunden zu fühlen.
Der Beckenboden, die Atmung, dein Core – all das sind Systeme, die zusammenarbeiten. Gib ihnen Zeit, liebevolle Aufmerksamkeit und ein bisschen Training, und sie danken es dir mit Kraft, Leichtigkeit und einer stabilen Mitte.
Und wenn du ein bisschen mehr Unterstützung brauchst: du weißt, wo du mich findest.
Quellen:
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